Laut einem Bericht, der dem Zentrum für Menschenrechtsdokumentation in Iran vorliegt, war eine Familie während der landesweiten Proteste drei Tage lang auf der Suche nach ihrem Sohn, der für den Protest das Haus verlassen hatte und nicht zurückgekehrt war. Zunächst suchte die Familie in den Krankenhäusern, dann gingen sie zum Behesht-e Zahra und schließlich führte ihr Suchweg nach Kahrizak; einem Ort, an dem schockierende Bilder von den Leichnamen der während der Proteste getöteten Demonstranten in sozialen Netzwerken und Medien verbreitet wurden.
In Kahrizak sah sich die Familie gezwungen, unter einer Menge von Leichnamen nach ihrem Kind zu suchen; ein Ort, an dem Hoffnung und Angst miteinander verwoben waren. Schließlich fanden sie, entgegen all ihrer Ängste, ihren Sohn lebend. Er war durch einen Schuss schwer verletzt worden und laut diesem Bericht hatte er drei Tage lang ohne Wasser und Nahrung, aus Angst vor einem tödlichen Schuss durch die Beamten, regungslos in einer speziellen Plastikhülle für die Toten gelegen.
Laut diesem Bericht gelang es der Familie schließlich, ihn zur Behandlung ins Krankenhaus zu bringen. Diese Erzählung zeigt, trotz ihrer Bitterkeit, einen seltenen Moment des Überlebens inmitten des Todes und gleichzeitig ein erschütterndes Bild der Bedingungen, die während der Unterdrückung der Proteste herrschen, der Behandlung von Verletzten und dem Druck, dem Familien ausgesetzt sind, um Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten; Familien, die auf der Suche nach ihren Angehörigen zwischen Krankenhäusern, Leichenschaua und Sicherheitszentren umherirren.
Es ist erwähnenswert, dass aufgrund der schweren Internetabschaltungen und -beschränkungen im Iran eine unabhängige Bestätigung dieses Berichts nicht möglich ist.

